Zitat :
Topf_Gun hat am 9 Dez 2007 10:43 geschrieben :
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Ob angereichert oder nicht spielt für den Verbrauch an Uran keine Rolle.
Uran besteht aus 99,3% U-238, welches im Reaktor nicht spaltbar ist.
Die restlichen 0,7% U-235 ist spaltbar.
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Leider nicht, das Problem hinsichtlich des Uranverbrauchs ist eher, dass aus technischen und wirtschaftlichen Gruenden nur bis ca 0.3-0.4% abgereichert wird. Es wird also quasi die Haelfte vom nutzbaren U-235 weggeworfen.
Das waere nicht der Fall bei Nutzung von Natururan-Reaktoren.
Und der Reaktor in Niederaichbach war insofern eine schoene Konstruktion (kein brennbarer Graphit-Moderator, Gas als Kuehlmittel, kann nicht verdampfen usw.)
Zitat :
[kurze Ausfuehrung zum Brueten]
Das macht bei einer Reichweite von 50 Jahren (nur mit U-235) maximal 35000 Jahren. Gut es wird weit weniger sein, aber 5000 Jahre Reichweite sollten auf jeden Fall drinn sein.
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Leider auch nicht so viel, das Problem sind hier die ganzzahligen Pu-Isotopen, die nicht spaltbar sind (Pu-240, Pu-242). Der Anteil dieser Isotope nimmt bei zunehmendem Abbrand immer mehr zu, so dass Wiederaufarbeitung nur 2-3x realistisch ist.
Nebenbei, aus gerade diesem Grunde wird bei der Produktion von Waffenplutonium das Material auch nur max. 1-2 Wochen lang im Reaktor abgebrannt, bis es in die chemische Trennung geht. ("Wiederaufarbeitung", Purex-Prozess)
perl hat am 9 Dez 2007 14:42 geschrieben :
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Willst du ausprobieren welche Folgen es hat, wenn der nächste solche Reaktor, egal ob wegen personeller oder technischer Mängel, direkt vor deiner Haustür explodiert ?
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Ich habe ja nicht sagen wollen, dass ich den Bau von RBMK-Reaktoren begruessen wuerde. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass die Dinger zuverlaessiger arbeiten, als man so sagt (im Vergleich zu westlichen Reaktoren).
Zitat :
Was waere geschehen, wenn der Tschernobyl-Reaktor in einem "Gehaeuse" wie einem Flakbunker eingebaut waere? | Die Brocken wären nur etwas weiter geflogen.
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Glaube ich eigentlich nicht.
Es gibt ja Sollbruchstellen im modernen Reaktorcontainment, erst mal die Abblaseventile, und dann die grosse Tuer (fuer den Materialtransport). Waere solches in Tschernobyl vorhanden gewesen, waere es vielleicht einfacher gewesen, den Luftzutritt zum brennenden Graphitmoderator zu bremsen und den Brand frueher einzudaemmen.
Topf_Gun hat am 9 Dez 2007 15:36 geschrieben :
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Zum Ablauf des Unfalls Steht in der Wikipedia einiges.
grobe Zusammenfassung:
1. Ausklemmen des Schutzaus für den Reaktor aus dem Reaktorschutzsystems.
2. Der Reaktor war unter Volllast und wurde dann durch Bedienfehler abgewürgt. (Xenonvergiftung)
3. Dadurch senkte sich die Wärmeabgabe auf unter 200MW.
Um den Reaktor wieder auf sie 200MW zu bekommen, wurden zuviele Steuerstäbe gezogen.
Dadurch war der Reaktor
a. mit zuwenig Steuerstäben
b. mit Xe-135 vergifteter Kern (aus dem Zerfall von I-135)
c. zu kalt
als die bremsende Wirkung von b und c nachgelassen hat, ist der reaktor innerhalb von Sekundenbruchteilen durch geschätzte 100GW thermische Leistung zerflogen.
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Das ist noch nicht alles:
4. wurde das Notkuehlsystem (die vier Notkuehlwasserzuleitungen) abgesperrt und die Ventile verplombt.
5. machte sich ein Konstruktionsfehler verhaengnisvoll bemerkbar (s.u.)
Dadurch konnte, als die Leistung des Reaktors nach Abklingen der bremsenden Wirkung der Xenonvergiftung anstieg, kein zusaetzliches Wasser eingespeist werden, auch nicht manuell (zum Entsiegeln und Aufdrehen der Notkuehlwasserleitungen fehlte die Zeit entsprechend).
Daraufhin trat das in Effekt, was Elektrolurch beschreibt:
Zitat :
elektrolurch hat am 9 Dez 2007 15:06 geschrieben :
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ich meine mal gehört zu haben, dass beim RBMK-Reaktor der positive "Dampfblasenkoeffizient" (void-Koeffizient) und die Kompliziertheit (viele einzelne Kühlkanäle) die Hauptursache des Unfalls war. Diese Dinge sind aber konstruktionsbedingt.
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Als das Wasser im Reaktor zu kochen begann, drueckte der Reaktorfahrer den Schnellabschalteknopf (Scram).
Daraufhin fielen die Steuerstaebe in den Reaktor.
An den Spitzen der Steuerstaebe befand sich ein 15 cm langer Abschnitt aus Graphit.
Dadurch beschleunigte sich die durch den positiven void-Koeffizienten eh schon erhoehte Kettenreaktion explosiv.
Und der Reaktor, der vorher schon bedrohlich grummelte, platzte nun endgueltig auseinander.
(Dieser Konstruktionsfehler mit dem Graphit an den Steuerstabspitzen wurde in der Folge bei allen RBMK-Reaktoren beseitigt)
Zitat :
Topf_Gun hat am 9 Dez 2007 15:36 geschrieben :
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Das in Tschenobyl war sträflicher Leichtsinn!
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Absolut!
Und das alles wegen einem Turbinenauslaufexperiment, das man wohl auch in einem konventionellen Kraftwerk haette machen koennen.
Eine sehr eindrueckliche und detaillierte Schilderung der ganzen Geschichte findet sich im Buch "Verbrannte Seelen" des russischen Atomtechnikers Medwedjew.