Moin,
also ich verstehe dein Ansinnen einer sauberen Installation durchaus, und die 100Mbit/s Anforderung finde ich jetzt nicht gerade überzogen.
Ich würde sogar nicht von 100Mbit/s sprechen sondern von Gigabit. Durch andere Codierung braucht Gigabit "nur" die doppelte Bandbreite auf der Leitung und das ist auch mit Cat 5 zu schaffen. Gerade wenn es nicht die ewigen Längen sind. Und die Anforderung wird kommen - wenn nicht jezt, dann später.
Mit der ollen Telefonleitung kannst du vielleicht stabile 10Mbit/s erreichen, wenn du das Autosensing auf beiden Seiten deaktivierst. Am Rechner ist das ja kein Problem, an den einfachen nicht managebaren Switches oder Routern oftmals schon. Tatsächlich braucht die Verbindung da auch nur zwei der Aderpäärchen.
Das erinnert mich an die Situation des Bruders eines Freundes mit seinem 10 Jahre alten Reihenhaus vom Bauträger. Es liegt Telefonleitung. "Und für den Rest haben wir doch WLAN." - Nur das das nicht bis ins Dachgeschoss kommt und die Geschäftsleitung erlaubt keinen Kabelkanal. Nach 3 Jahren rumdoktorn mit WLAN, DLAN und so nem Zeug haben sie es nun geschafft eine Cat-Leitung durch einen proppevollen Steigeschacht (mit Versatz) zu würgen.
Nach ähnlichen Erfahrungen haben wir vor einigen Jahren in einer gerade zwei Jahre frisch bezogenen, vorher totalsanierten Wohnung ein (!) Netzwerkkabel gelegt. Die Hintereinanderschaltung von Switches ist völlig suboptimal aber mehr als einen schmalen Kabelkanal hat die Ehefrau nicht erlaubt. Man hätte es bei der Sanierung (2004 oder so) natürlich auch schon vorsehen können...
WLAN ist ohnehin ein Shared Medium, daher Prinzipbedingt halbduplex. Jede weitere Station und jeder Repeater sorgt für Paketkollisionen auf der Luftschnittstelle und damit direkt für eine sinkende Datenrate. Das gleiche Spiel wie damals mit Cheapernet/Thin-Ethernet auf RG58-Basis oder auch Twisted Pair mit den ollen Hubs.
Die Datenrate von zig Mbit gilt halt wenn sich ein Sender mit einem Empfänger unterhält und am besten kaum oder gar keine Daten in Gegenrichtung gesendet werden. Und natürlich ohne Repeater!
Außerdem belegen die Geräte mit mehreren 100Mbit/s nominaler Datenrate ein derartig breites Frequenzspektrum dass das nur solange funktioniert wie das keiner der Nachbarn macht. Juhu, Gigabit-WLAN auf 5Ghz - es darf nur kein zweites in Reichweite geben...
Powerline oder heute auch DLAN ist genau das gleiche Zeug - ob und wie es funktioniert hängt von den praktisch undefinierten Ausbreitungen auf der Hausinstallation ab. Und die Dinger sind zudem üble Störschleudern, denn die elektrischen Leitungen sind super Antennen. Eigentlich gehören die Teile verboten, aber da prallen "Randgruppeninteressen" auf handfeste wirtschaftliche Überlegungen...
Bei diesen Behelfslösungen kommt dem Netzwerker in mir immer wieder die Galle hoch.
Bei meinem Brüderchen im Bau wurden die Leitungen zwar in Rohr verlegt, das ist aber nur Schutz weil da drauf dann Dämmung und Estrich kommt. Die Sat-Leitungen wird er niemals wieder aus diesem Rohr raus bekommen, trotzdem es in die Dose geführt ist, weil einfach viel zu viele Ecken drin sind.
(Immerhin hat er auf mich gehört und auf die von Schwiegerpapa vorgeschlagene Combo Telefonleitung und eine Netzwerkleitung zwischen Arbeits- und Wohnzimmer zugunsten von sternförmig verteilen Cat-Leitungen verzichtet)
Es gibt tatsächlich Modems die 100Mbit über mehrere Kupferdoppeladern realisieren. Das ist im Prinzip DSL-Technik ohne Telefonnetz dazwischen. Zu bekommen bei Netzwerkausrüstern wie z.b. Pan Dacom. Aber die Preise dazu stehen vermutlich aus gutem Grund nicht im Katalog...
Für 2Mbit hätte ich da sogar noch welche liegen, aber a) ist das zu langsam und b) sind die 5-8km Reichweite vielleicht etwas weit.
Also versuche die Leitung raus zu bekommen. Eine zweite Person rupfen zu lassen und dann zu lauschen kann schon helfen, Druckluft wurde ja schon vorgeschlagen.
Wo die Leitungen tatsächlich liegen kann dir vermutlich nur derjenige sagen der es damals gemacht hat. Und wenn das so ein dünnes 16er Rohr um 5 Ecken ist, hast du vermutlich einfach verloren.
Aber Rohre verzweigen sich normalerweise (!) nicht einfach irgendwo in der Wand. Wenn am einen Ende drei Leitungen rauskommen, dann gehen die auch irgendwo hin.
Um einen Zugdraht in das dann leere Rohr rein zu bekommen, kann man sich auch mit einem Bindfaden und Staubsauger behelfen wenn es denn durchgehend und dicht ist.
Die Telekomiker haben so hübsche Leitungssucher. Das ist ein Signalgenerator den man an einem Ende dran hängt und ein Empfänger mit dem man die Leitung oder die Leiste am Verteiler findet wo die Leitungen ankommen. Das klappt auch so lange gut, wie nicht ein Bündel ungeschirmter Telefonleitungen nebeneinander liegt. Durch das Übersprechen führt dann jede davon das Signal.
Sowas kann man aber auf empfindlicher Einstellung durchaus auch als Leitungssucher verwenden wenn die nicht zu tief in der Wand liegen.
Wenn du eine unauffällige Nachrüstlösung brauchst, könnte für dich neben Cat-Leitung ggf. ein Kunststoff-Lichtleiter oder echte Glasfaser in Frage kommen. Die sind mit 3mm ziemlich dünn und lassen sich daher gut verstecken (erhöht den WAF). Die Glasfaser kann man ab Großhändler auch auf Länge geschnitten und mit Steckern konfektioniert bekommen. Die muss man dann natürlich wieder durch die Löcher in Wänden und Decke bekommen, also groß genug bohren.
Das Zeug ist unüblich aber kein Hexenwerk - man braucht eine gewisse Routine um Umgang damit um nicht übervorsichtig und ehrfürchtig zu Werke zu gehen