Zitat :
Ltof hat am 29 Mai 2009 10:04 geschrieben :
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Zitat :
ElektroNicki hat am 28 Mai 2009 22:21 geschrieben :
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Packt der auch noch en zweites Mal dran
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Sachmal, glaubt ernsthaft jemand, dass der zweite Lichtbogen durch eine willentliche Handlung ausgelöst wurde?
Nach dem ersten Lichtbogen war in dem Körper nix mehr, was noch irgendwie aktiv handeln konnte.
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Hallo Forum,
zunächst winke ich als Neuling mal kräftig in die Runde.
Doch zum Thema:
beim Durchlesen des Thread bin ich auf die Frage gestoßen, warum jemand "ein zweites Mal dranpackt" - ich persönlich glaube da auch nicht an eine willentliche Handlung.
Zwar kenne ich mich in den Stromnetzen der Bahngesellschaften in Asien nicht aus, aber ich habe meine Ausbildung als Energieelektroniker bei einem deutschen Energieversorger absolviert und kenne mich deswegen noch so einigermaßen mit den Schutzmechanismen in Freileitungs-Mittelspannungsnetzen (und darum handelt es sich hier IMHO auch) aus.
Die folgenden Aussagen basieren also auf der Netzstruktur eines regionalen, deutschen Energieversorgungsunternehmens und haben keinen bewiesenen Bezug zum Netz in dem Land, in dem der Unfall geschah.
Die Hauptinstanz der Schutzmechanismen in Energieversorgungsnetzen wird durch Distanzschutzorgane abgebildet. Diese messen im Fehlerfall die Fehlerimpedanz. Aufgrund der bei der Netzherstellung gemessenen Netzimpedanzen (die in den Distanzschutzrelais eingestellt werden), wird sozusagen die Netztopologie in Form von Impedanzwerten in die Distanzschutzrelais übertragen.
Diese können aufgrund dieser Tatsache die Selektivität im Netz abbilden, da jedes Distanzschutzrelais aufgrund der Fehlerimpedanz seine Entfernung zum Fehler feststellt und je nach Entfernung in unterschiedlicher Zeit auslöst (und damit die Leitung in Fehlerrichtung abschaltet.
Insofern ist schon einmal eine selektive Abschaltung gewährleistet - was der Leitungsschutzschalterstaffelung im Niederspannungsnetz (auch im Haus) entspricht.
Doch auf
Freileitungsstrecken kommt noch eine weitere Gefährdung zum Tragen: schlägt ein Blitz in die Freileitung ein, erzeugt dieser eine Wolke aus ionisierter Luft. Steht der Lichtbogen (gezündet durch den Blitz) erst einmal, wird er durch das Energieversorgungsnetz weiter gespeist und wandert über die Freileitung.
Um dies zu verhindern, kommen meist sogenannte
KU-Relais auf Freileitungsstrecken zum Einsatz - KU steht für Kurzunterbrechung. Dieses Schutzorgan ist dem Distanzschutz vorgelagert und löst bei einem Kurz- oder Erdschluss innerhalb von Schnellzeit den Leistungsschalter aus (<0,2s, meist unter 0,1s Auslösezeit).
Da die Fehlerursache (Blitzeinschlag, "Wischer" durch einen Ast auf der Freileitung) schon wieder behoben sein könnte, schaltet das KU-Relais nach einer einstellbaren Zeit (z.B. 0,8s, kann aber auch deutlich mehr sein) die Strecke wieder zu. Besteht der Fehler immer noch, wird wiederum in Schnellzeit (<0,2s) die Strecke abgeschaltet.
Siehe
http://de.wikipedia.org/wiki/Automatische_Wiedereinschaltung
Das heißt, dass es bei einem Fehler auf einer Freileitungsstrecke meist 2 x "knallt", weil das KU-Relais den vermeintlichen Lichtbogen löschen will und danach "versuchsweise" wieder zuschaltet.
Dieses Verhalten wäre eine Erklärung für den zweifachen Lichtbogen im Video.
Gruß,
ArtExplorer