Hallo Leute
Ich habe mich hier schon lange nicht mehr gemeldet aber heute habe ich eine besonders interessante Frage für euch. Damit klar wird worum es geht muss ich etwas weiter ausholen, ich bitte um Verständnis.
Ich beschäftige mich gerade mit der Reparatur bzw. Restauration eines alten Audioverstärkers, es handelt sich um einen Sony TA-3200F. Service Manual im Anhang.
Meine Frage bezieht sich aber nicht direkt auf die Reparatur sondern ist eher eine Verständnis-/Theorie-Frage:
Bitte betrachtet den Schaltplan auf Seite 8. Nicht schrecken, der sieht viel komplizierter aus, als er ist. Zunächst gibt es den kompletten Verstärkerteil natürlich 2 mal (linker und rechter Kanal). Der rechte Teil betrifft Versorgung und Schutzbeschaltung, den können wir auch mal ignorieren. Auch der Teil zwischen Vorverstärker und Treiber ist Schutzbeschaltung. Es bleibt also nicht mehr viel übrig.
Der Schaltungsteil um Q105 dient zum Einstellen des Ruhestroms der Leistungstransistoren (Q112, Q113). Im Studium wurde mir so eine ähnliche Schaltung als "Ube-Vervielfacher" näher gebracht, neu ist mir allerdings die Verwendung der Diode D102. Diese ist zusammen mit den Leistungstransistoren an einem gemeinsamen Kühlkörper montiert und dient zur thermischen Kompensation.
Soweit so gut, was mich allerdings stutzig macht, ist dass D102 laut Stückliste eine Germaniumdiode ist! Die Kernfrage ist nun: warum Germanium? Alle anderen Dioden in der Schaltung sind gewöhnliche Siliziumdioden.
Folgende Überlegungen habe ich bereits angestellt und wieder verworfen:
* "Germaniumdioden haben eine kleinere Durchflussspannung, die für diese Schaltung notwendig ist." Das lässt sich leicht beheben, indem man das Widerstandsverhältnis anpasst. (Genau das habe ich bereits provisorisch gelöst, da ich keine Germaniumdiode zu Hand hatte.)
* "Möglicherweise haben Germaniumdioden eine größere Temperaturabhängigkeit und dadurch wird eine bessere Temperatur-Kompensation erreicht." Dagegen spricht, dass Germaniumdioden nach meinen Recherchen sogar einen kleineren Temperaturkoeffizienten haben. Außerdem ist der Einfluss auf die Gesamtschaltung aufgrund der kleinen Flussspannung wohl eher klein. (Die BE-Spannung an Q105 addiert sich ja quasi zur Diodenspannung.)
* "Germaniumdioden haben eine weichere Kennlinie." Das wäre aber eher ein Gegenargument, denn die Diode soll ja hier eine möglichst konstante (aber T-abhängige) Spannung liefern, da wäre eine steile Kennlinie sogar vorteilhaft.
Ich versuche zu verstehen, was sich die ursprünglichen Schaltungs-Entwickler gedacht haben. Welche besonderen Eigenschaften der Germaniumdioden wollten sie hier ausnutzen?
Eine weitere Frage die mich beschäftigt ist, womit ich die D102 am besten ersetzen soll. Das Original-Teil ist leider nicht mehr vorhanden. Man kann das Ersatzteil zwar um teures Geld nachkaufen aber das geht doch auch sicher anders.
Ich tendiere dazu einen Germaniumtransistor mit Gehäuse zur Schraubmontage zu verwenden um eine gute thermische Ankopplung zu erreichen. Die Basis-Emitter-Strecke sollte dann als Diode nutzbar sein.
So, und jetzt: Manege frei für eure Gedanken dazu!
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[ Diese Nachricht wurde geändert von: ffeichtinger am 4 Mai 2018 20:30 ]