Hallo Bernd,
es kommen bestimmt noch genug Leute mit mahnenden Worten, im Sinne von: Wer so eine Frage überhaupt stellt, sollte besser ganz die Finger davon lassen.
Und so völlig Unrecht hat man damit nicht immer (sei es nur wegen der Verfügbarkeit der erforderlichen Meßgeräte)...
Trotzdem will ich Dir gerne meine Meinung dazu kundtun:
1) in einem Haushalt besteht üblicherweise kaum ein Grund, nicht alle Stromkreise und Geräte über 30mA-FI zu führen
2) je nach den örtlichen Verhältnissen kann es sein, daß dies inzwischen sogar Vorschrift ist! Erkundige Dich beim zuständigen EVU nach der Netzform
3) Waschmaschine und Trocker sind gar kein Problem, erst recht nicht, wenn sie noch keine Jahrzehnte auf dem Buckel haben (aber auch gepflegte Altgeräte sind diesbezüglich meist recht gut)
4) Schwierigkeiten können entstehen durch Isolationsfehler oder betriebsmäßige Ableitströme, außerdem durch unbemerkten Ausfall eines Gerätes wegen eines ausgelösten FI (z.B. aufgrund von Spannungsspitzen im Netz)
5) problematisch sind also eher z.B. haushaltsunüblich große Mengen von EDV-Geräten (wegen der Leckströme der Netzfilter) oder so Sachen wie Gefriertruhe, Heizung, Abwasserpumpe (wegen des Ausfallrisikos)
6) wenn Wasch-, Spül- und Trockengeräte einen 30mA-FI zur Auslösung bringen, dann ist das ein wichtiges Zeichen, die Dinger sauber durchzumessen und ggf. instandzusetzen! An einem Stromkreis ohne FI könnten sie zwar - obschon fehlerhaft - vielleicht noch einige Zeit laufen, aber das ist wenig hilfreich. Es knallt dann zwar später, aber umso lauter...
7) Die Erfahrungen hier (im städtischen Bereich dürfte - trotz TN-Netz - inzwischen vielleicht etwa die Hälfte der Anlagen mit FI ausgerüstet sein, im ländlichen Bereich - da TT-Netz - alle, jedoch mit unterschiedlichen Nennfehlerströmen) sind AFAIK weit überwiegend positiv

In meinem privaten Haus (Altbau) gibt es jeweils pro Unterverteilung nur einen gemeinsamen FI für alle Stromkreise, immer mit 30mA, trotzdem fällt der FI weit weniger oft, als eine Unterbrechung der Versorgung durch das E-Werk zu beklagen ist (das hat leider in letzter Zeit etwas zugenommen, jährlich ca. 2 oder 3 Ausfälle im Minutenbereich oder länger, mehr als ein Dutzend wesentlich kürzere Unterbrechungen, die aber zu Störungen führen, z.B. an Uhren oder PCs).
9) weil ich es wissen wollte, habe ich vor geraumer Zeit auch eine Wohnung mit mehreren (alten) Nachtspeicherheizgeräten und einem Durchlauferhitzer (das sind ebenfalls Geräte, die allgemein als diesbezüglich kritisch angesehen werden) über einen Zentral-FI mit 30 mA geführt. Seit etwa 15 Jahren gab es da noch keine einzige Auslösung, die auf eines dieser Geräte zurückzuführen gewesen wäre!
10) Meine persönliche Erfahrungs-"Hitliste" der Gründe für Auslösungen sind (in der Reihenfolge der Häufigkeit):
-Fehlbedienung (nasse Elektrogeräte, mit Besteck im Toaster stochernder Kunde - meist die HausHERREN...)
-Fremdeinwirkung (unsaubere Eigenbasteleien, angebohrte Leitung, Nägel an der falschen Stelle etc.)
-tatsächlich defekte Geräte (hier stehen durchgefressene Heizelemente ganz vorne, z.B. v.a. Herdplatten und WW-Speicher, aber dann eben auch WaMas, Trockner, SpüMas)
Alle nach diesen TOP3 sind dann schon weit abgeschlagen:
-gegen Masse durchgeschlagene Kompensationskondensatoren von Leuchtstofflampen
-tatsächlich beschädigte Leitungen/Steckvorrichtungen
-Spannungsspitzen aus dem Netz
-sonstige
Zusammenfassend kann ich Dir nur dringend empfehlen, alles mit FI (30mA) auszuführen. Da die Dinger heute kaum noch was kosten, ist es sicher kein Schaden, wenn man die Stromkreise pro Etage auf 2 FI-Schalter sinnvoll aufteilt. Dann steht man auch im Falle des Falles nicht ganz im Dunkeln.
Für Bäder, Naßräume und Steckdosen im Freien sowie Hobbyräume etc. bevorzuge ich mittlerweile sogar die 10mA-Typen. Da ist die Toleranz gegen kleine Sauereien dann aber doch merklich geringer (soll ja aber auch so sein!).
Wie ist denn die Situation bei Euch (ländliche oder urbane Lage, Erdkabel- oder Freileitungsnetz, Stabilität und Störgrad der Versorgung)?
Gruß,
sam2
P.S.
In der Nacht zum Montagmorgen ist hier in der Altstadt ein schönes großes altes Fachwerkhaus weitgehend ausgebrannt (Gesamtschaden ca. 1 Mio. EUR).
Ursache lt. Brandermittler: Fehler in der elektrischen Anlage in einer Diskothek im 1.OG, vermutlich eine Lichterkette.
Die Anlage hatte Bestandsschutz. Trotzdem wäre ein 30mA-FI wohl besser gewesen...