Hallo liebe Forengemeinde!
Ich habe ein altes Fachwerkhäuschen von meiner Großmutter (dieses Jahr mit 96 Jahren gestorben) geerbt.
Ein wenig zu den Umständen:
Prinzipiell hatte ich eigentlich überhaupt nicht damit gerechnet, das Häuschen zu bekommen, da ich erstens nicht der einzige Erbe war und wir in der Familie nicht alle so einig miteinander sind, daß das selbstverständlich war. Es war wohl eher mit Verkauf zu rechnen. Letztlich hat die Erbengemeinschaft mir das Haus dann wohl überlassen, weil ich mich dazu bereiterklärt hatte die Begräbniskosten tragen, den anderen Erben eine gewisse Abfindung für das Haus nebst Grundstück zu zahlen und ansonsten auf alle Ansprüche auf vorhandene Konten zu verzichten - also ihnen das Risiko genommen habe auf dem Haus sitzen zu bleiben. Daß ich - wie gesagt - nicht damit gerechnet hatte, Hausbesitzer zu werden und die Entscheidung eher spontan war, soll verdeutlichen, daß ich jetzt erst mal mit dem Geld sparsamer umgehen muß. Ganz besonders auch deshalb, weil die Elektrik gewiß nicht das einzige ist. Mein Großvater war etwa 10 Jahre älter als die Großmutter und ist bereits nach längerer Krankheit in den frühen 1980ern gestorben - es wurde also im großen und ganzen über Jahrzehnte nur das Notwendigste gemacht. So daß etwa auch noch kein Kanalanschluß da ist oder moderne Fenster usw. Eventuell müssen auch in näherer Zeit ein paar Balken ausgetauscht werden. Die Methode einfach alles neu zu machen fällt von daher aus. So nostalgisch wie das alles inzwischen ist, wäre es ja auch fast schon schade darum.
Nun zur Elektrik: (Ich habe mir da schon einiges Wissen angelesen bzw. einen alten Elektromeister befragt. Allerdings "droht" Erdverkabelung, was vielleicht Handlungsbedarf mit sich bringt, wenn der Versorger mich nicht länger angeklemmt lassen will.)
Die ältesten Teile stammen wohl aus Mitte/Anfang der 1920er, da noch einige Porzellanschalter und Lampen aus dieser Zeit vorhanden sind. So etwa gegen 1936/37 müssen weitere Lampen und der Großteil der Steckdosen verlegt worden sein. Das läßt sich relativ genau sagen, da der ehemalige Dorfelektriker seinerzeit wohl in der Lehre war und sich erinnern kann, das als "Stift" mit verkabelt zu haben. Das alles ist Überputz ausgeführt, im Bergmannrohr, wie es wohl heißt - meist natürlich unter Tapeten versteckt. Dieser Teil der Anlage ist mit Drehschaltern und zweipoligen Steckdosen ausgeführt. In jedem Raum befinden sich etwa 1-2 dieser Steckdosen, wie mir scheint recht vorausschauend für diese Zeit.
Das Haus ist dabei in drei Stromkreise aufgeteilt. Jeweils Obergeschoß, Untergeschoß sowie ein paar Lampen im Keller und eine Lampe auf dem Dachboden, die an einer Sicherung hängen. Der Sicherungskasten hängt im Flur des Obergeschosses. Ursprünglich wurde wohl für alle Kreise eine 6 Ampere-Diazed-Schmelzsicherung verwendet. Zur Zeit sind für die Geschosse diese 10/6 Ampere-Sicherungen im Einsatz also 10 Ampere flink mit 6 Ampere-Sockel, Keller/Dachboden nach wie vor reine 6 Ampere-Sicherung. Läßt sich aber natürlich nach Belieben wechselseitig tauschen. Nach Beschriftung sind die drei Sicherungen auf die Leiter RST aufgeteilt.
Die nächste Erweiterung ist dann eine Steckdose in der Küche für den Kühlschrank, die in den späten 50er Jahren gesetzt worden sein muß. Eine Schukosteckdose, wobei der Schutzleiter mit einem separaten Draht zur Wasserleitung hergestellt ist.
Dazwischen ist dann etwas passiert, das Netz wurde von 127/220 auf 220/380 umgestellt, das soll um 1961 gewesen sein. In dem Zusammenhang müssen im ganzen Dorf die Zuleitungen (Dachständer statt Zuführung über die Giebelwand) bzw. das Netz erneuert worden sein und zwar von TT auf TN.
Dann kam wieder eine Erweiterung der Anlage. Anfang der 60er wurden ein Warmwasserboiler, ein Elektroherd und eine Starkstromteckdose alter Machart in der Küche installiert. Abgesichert gemeinsam mit 3x25 Ampere-Diazed-Sicherung in einem Zusatzkasten neben dem Zähler. Die Zuleitung ist vieradrig und an allen Anschlüssen klassisch genullt. Die derzeit betriebene Waschmaschine ist zur Zeit allerdings über eine Steckdose im Herd angeschlossen und nicht über diese Starkstromsteckdose. In dieser Zeit wurde wohl auch die Hauptsicherung auf 3x35 Ampere verstärkt. Ursprünglich sollte wohl noch im Bad ein Boiler installiert werden und die Elektrik Stück für Stück modernisiert werden, dazu kam es aber nicht mehr, da der Großvater 1965 verunfallte und von dann erstmal pflegebedürftig war bzw. Unfallrente bezog. Jedenfalls hatte man andere Sorgen.
Das letzte, was dann noch passiert ist, war wohl, daß in der Küche eine der alten Steckdosen gegen eine klassisch genullte Schuko-Dreifachsteckdose getauscht wurde und irgendjemand muß im Bad auch die alte zweipolige Steckdose mal gegen eine Schukosteckdose ersetzt haben (ohne zu nullen).
Jetzt zu meinen "Maßnahmen":
Ein zunächst herbeigerufener Elektriker besah sich das ganze und meinte ohne etwas zu machen, daß er da nicht rangeht, ohne es komplett auszutauschen, weil er für so einen "alten Scheißdreck" nicht die Haftung übernehmen will. Kann ich verstehen, ist aber nicht drin zur Zeit.
Mein zweiter Weg führte mich zum ehemaligen Dorfelektriker, jetzt auch schon über 90 und damit seit Jahrzehnten aus dem Beruf. Meine Fragen gingen in Richtung Sicherheit und FI nachrüsten bzw. die "etwas" knappe Absicherung der restlichen Wohnung. Der meinte jedenfalls, daß man einen FI einbauen könne, aber nicht dürfe, weil dann der Nulleiter zu den genullten Verbrauchern unterbrochen werde. Ansonsten empfahl er grundsätzlich Isolations- und Schleifenwiderstandsmessung. Allerdings mit dem Hinweis, daß ich da unter Umständen zwischen Brand und Lebensgefahr und sofortiger Stillegung abwägen müsse, je nachdem was rauskommt.
Das mit dem "wenigsten Aufwand verbundene" wäre im Grunde die "neue" (nur gut 50 Jahre alte

) Leitung in die Küche gegen eine Fünfpolige zu ersetzen, entsprechend stark abzusichern und alle Steckdosen in der Küche - mindestens aber Herd, Waschmaschine, Boiler und die Kühlschranksteckdose an diese Leitung zu hängen. Da die anderen mal ersetzten Steckdosen in Bad und Küche ursprünglich mal zweipolig waren, könnte ich da wohl auch wieder rein zweipolige Steckdosen reinmachen. Da dann keine Nullungen vorhanden wären bzw. ein seperater Schutzleiter vorhanden, ließe sich auch ein FI verwenden. Die entsprechenden Steckdosen könnte ich ggf. bekommen. Dazu sollte eine vernünftige Erdung des Schutzleiters durchgeführt werden. (Mit dem dezenten Hinweis, das ordentlich auszuführen aber ggf. "etwas vorzudatieren", damit die Anforderungen nicht zu hoch ausfallen.)
Eventuell könne man auch bei der restlichen Installation über 6/10 Ampere gehen, wenn die Querschnitte reichen. Also "normale" 10 Ampere oder 16. Bzw. die Leitung nach dem Verteilerkasten zu erneuern und ggf. einzelne Zimmer bzw. Bereiche separat schwächer abzusichern.
Ansonsten sagte er mir, daß eine künftige Unterputzverlegung wohl auf Grund des Fachwerks problematisch bzw. nur mit Flachkabeln zu erreichen sei, die aber mittlerweile womöglich verboten seien. Da so etwas wohl einmal im Gespräch war. An den Decken stehen die Balken allerdings heraus, somit käme hier eine solche Verlegung eigentlich nur in Frage, wenn ich alles verschale, was aber besondere Sicherheitsmaßnahmen erfordere und von mir auch gar nicht in Betracht gezogen wird, da ich nicht noch Raumhöhe verlieren will und mir die Balken eigentlich optisch zusagen.
Was mich neben einer allgemeinen Einschätzung einmal interessieren würde, ist die Frage - konnte der ältere Herr mir nämlich nicht beantworten - warum man keine klassisch genullten Steckdosen/Verbraucher an einen FI hängen darf. Der FI unterbricht doch allpolig - wenn er aber die Phasen RST und 0 unterbricht, dann kann doch eigentlich überhaupt kein Strom mehr fließen. Selbst ein unterbrochener Nulleiter der ein Metallgehäuse über einen Verbraucher unter Strom setzt, würde ja dann einen Fehlerstrom nach der Erde bewirken und somit den FI-Schalter ansprechen lassen - es geht ja mehr raus als zurückkommt. Ich sehe jedenfalls keinen Nachteil, aber vielleicht übersehe ich da etwas.
Die Frage, die aber bleibt, ist die, ob der Versorgungsnetzbetrieber sich weigern kann (Erdverkabelung ist ja geplant), diese Anlage überhaupt noch einmal anzuschließen. Ich sehe mich da irgendwie schon im Dunkeln, oder ist der Betreiber dazu verpflichtet? Dazu wußte der alte Elektromeister nämlich auch nichts, bis auf, daß es den wahrscheinlich "eher ums Verdienen" geht. Allerdings würden die ja unter Umständen mit einer modernen Installation mehr verdienen, weil ich ja nicht auf Überlastung und fliegende Sicherungen zu achten brauche...
Ich hoffe mit diesem etwas weitschweifigen Beitrag nicht alle von Anfang an verschreckt zu haben.
PS: Der Beitrag ist leider etwas länger geraten als ich es eigentlich beabsichtigte.
[ Diese Nachricht wurde geändert von: Schreiberling am 6 Jul 2014 18:36 ]
[ Diese Nachricht wurde geändert von: Schreiberling am 6 Jul 2014 18:49 ]