Freiheit, Gleichheit,
Brüderlichkeit im Kapitalismus
Erzbistum Köln – Kirchensteuerrückzahlung für den Multimillionär Hans Esser
Bekanntlich hatte Esser auf Vorschlag des Mannesmann-Hauptaktionärs Li Kasching
aus Hongkong, der durch Essers Verhandlungsführung mit dem Aufkäufer Vodafon
etwa 8 Milliarden Euro „verdient“ hatte, aus der Mannesmann-Kasse eine etwas
unkoschere 16-Millionen-Euro-Prämie bekommen, zusätzlich zu seiner Abfindung
von 15 Millionen, was angesichts der Tatsache, dass Esser nur ein halbes Jahr
im Amt war, zusätzlich befremden könnte. Es stellte sich heraus: Esser hatte
die milde Gabe zunächst ordentlich versteuern müssen. Da er als sogenannter
Verantwortungs- und Leistungsträger einen gewissen höheren Rückhalt braucht,
ist er gleichzeitig ein gläubiger Katholik. Deshalb hatte das Finanzamt dem
Kirchenmitglied von den 30 Millionen auch die Kirchensteuer abgezogen.
Das waren immerhin etwa 500.000 Euro. Das sind zwar bei diesen Millioneneinkommen
nur peanuts, auf die ein guter Katholik wie Esser sicher gerne verzichtet
– so könnte Lieschen Deutschmüller, die z.B. als Verkäuferin bei Karstadt
arbeitet, meinen. Immerhin kommt er ja auf diese Weise mit sich und Gott ins
Reine. Das wäre aber eine Verkennung der kapitalistischen deutschen Psyche.
Klaus Esser ist ja in seinem Leben so weit und hoch und zu seiner Prämie
gekommen, im Unterschied zur Karstadt-Verkäuferin, weil er nicht so denkt wie
Lieschen Deutschmüller und bei seinem Denken bzw. Nichtdenken immer auch von
seiner Kirche unterstützt wird. Deshalb auch stellte Esser beim Erzbistum Köln
den Antrag, dass ihm 50 Prozent der Kirchensteuer zurückerstattet werden.
Die Kirche gewähre ja Lohnabhängigen – z.B. den Verkäuferinnen, die bei Karstadt
entlassen werden, so argumentierte er – für Abfindungen auch eine solche
Rückerstattung, damit sie unter ihrer Entlassung nicht zusätzlich zu leiden haben.
Esser forderte Gleichheit vor dem Gesetz.
Quelle: Werner Rügemer in Neue Rheinische Zeitung
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=14984
Lest dort bitte den vollständigen Artikel, der noch mehr "witziges" unter der
Hauptüberschrift "COLONIA CORRUPTA" offenbart.