Hallo,
über die Weihnachtstage habe ich ein echtes Uraltgerät in die Kur genommen und stehe kurz vor dem Ziel leider völlig auf dem Schlauch.
Nach dem Prüfen und Ersetzen der Kondensatoren und Justieren der ZF-Filter (offenbar hatte die jemand für Schrauben gehalten...) funktioniert der Apparat jetzt wieder - bis auf eine Kleinigkeit:
- Schließe ich die Antenne an ACH1.g1H an, so werden auf allen Bändern die
Sender einwandfrei empfangen.
- Schließe ich die Antenne jedoch an die Antennenbuchse an bzw. aktiviere
die Lichtantenne, so empfängt der Apparat überhaupt nichts.
Das wäre nun nichts besonderes, wenn da nicht der Schaltplan wäre... Und nach dem sieht es für mich so aus, als ob das so sein *muss*. Ich habe mal das MW-Band herausgegriffen und den Stromverlauf im Plan eingetragen:
- Antenne (rote Linien) wird über Antennenbuchse, Bügel und 500pF eingekoppelt, geht
an S1 (offen) vorbei, lässt wg. S2 (geschlossen) den unteren (LW-)-Trafo
rechts liegen und geht über die linke Spule des MW-Trafo zur Erde.
- Die Spule des MW-Vorkreises (grün) wird über den MW-Trafo erregt; die Spule
ist oben über die Parallelschaltung Trimmer+Drehko.1 mit Masse verbunden;
der 50nF-Kondensator ganz unten ist für HF so gut wie ein Kurzschluss, praktisch
liegt also der untere rechte Anschluss der Vorkreisspule an Masse, womit
der Kreis geschlossen ist (Lila Verbindungen = bzgl. HF geerdet).
- Der Eingangskreis (gelb) bestehend aus einer Festspule und wieder einer
Parallelschaltung Trimmer||Drehko.2 ist über S4 (geschlossen) komplettiert.
Er liefert oben das Signal an den Mischer ACH1.H und bekommt von ganz unten rechts
Regelspannung. Orange Verbindungen = HF-mäßig geerdet.
Was ich nicht verstehe: Wie sollen die Schwingungen vom Vorkreis in den Eingangskreis gelangen, so dass an ACH1.g1H HF ansteht? Vorkreis und Eingangskreis sind nicht induktiv gekoppelt und enthalten zwar den unteren 50nF-Kondensator als gemeinsamen Bestandteil, da dessen Widerstand für HF aber praktisch null ist, kann hier meiner Meinung nach keine HF-Spannung abfallen und in den Eingangskreis wandern?
Die Kreise sind zwar noch über die rechte Spule des LW-Trafos bzw. die LW-Spule verbunden, aber diese Verbindungsstrecke ist für HF hochohmig wg. der LW-Spulen, scheidet also auch aus.
Die Koppelspule, die von links zwischen die Spulen des Eingangskreises ragt, wird über S2 kurzgeschlossen und fällt damit ebenfalls weg.
Ich würde damit sagen, dass dieser Apparat - zumindest laut Schaltbild - gar nicht funktionieren kann, weil die HF von der Antennenbuchse gar nicht zur ACH1 durchkommt. Dazu passt, dass ich im Eingangskreis kein Signal detektieren kann, wenn ich den Prüfgenerator an den Vorkreis anklemme und über die Skala gehen lasse.
Versuche, den Vorkreis nach Abgleichvorschrift einzustellen, hatten bisher keine Wirkung.
Sorgen macht mir aber: Diese Schaltung wurde zwei Jahre lang in diversen Geräten verbaut (776WK, 876WK, im "Teewagen" und wer weiss wo noch). Das kann doch nur heissen, dass dieses Ding zumindest anno 1937 funktioniert hat, denn man hätte sicher nicht zwei Jahre lang einen Apparat verkaufen können, der auf regulärem Wege "keinen Ton herausbekommt".
Kann mir jemand aufzeigen, wo ich hier einen Denkfehler habe oder was da los ist?
Mit ratlosem Gruss zum neuen Jahr
vom langen Ohr
(hoffentlich schafft die Zeichnung es in das Posting...)