Mich fasziniert vor allem, daß dieses Firmenschild heute noch hängt... und vermutlich auch dort belibt bis irgendwann einmal die Fassade saniert wird. Die Firma gibt es eher nicht mehr, unter dem Namen findet die Telefonauskunft in ganz Österreich keinen einzigen Treffer
Die Nummer 335410 könnt die Firma kurz gehabt haben, aber sicher nicht lange.
Damals wurde wild hin- und hergeschoben... ich habe Kostenvoranschläge einer Fliesenfirma aus den Jahren 1960, 1961 und 1962. (offensichtlich haben die da alte Rechnungsblöcke aufgebraucht). Der erste zeigt Nummern mit A beginnend, die zweite eine mit 32 beginnend, der dritte dann eine mit 34 beginnende Nummer. Dieses Nummernschema blieb der Gegend dann bis in die 90erjahre treu. Die Nummer mit 33 wurde mit Sicherheit irgendwann durch eine mit 42 oder 43 beginnende Nummer ersetzt, später war nämlich sehr wohl die Anfangsziffer sehr genau geographisch zuzuordnen (ist sie heute noch, Rufnummernmitnahme wird nur selten genutzt).
Ab Ende der 80er wurde mit der Umstellung auf digitale Vermittlung begonnen, bei dieser Gelegenheit wurde auch das Nummernschema kräftig auf den Kopf gestellt. Nach dem System aus den frühen 60ern hatten Einzelanschlüsse eine 6-stellige Nummer, Teilanschlüsse (bis zu 4 Teilnehmer) eine 7-stellige, wobei sich die Nummern der gemeinsamen Teilnehmer nur in der letzten Ziffer unterschieden. Im Volksmund hieß das Viertelanschluß.
Die ersten beiden Ziffern waren wie erwähnt recht genau zuzuordnen. Meine Gegend hatte z.B. mit 31 und 34 beginnende Nummern, auf der anderen Seite der nahen Einkaufsstraße begannen die Nummern mit 42 und 43 und etwas weiter stadtauswärts die mit 47.
Bei der Umstellung auf digitale Vermittlung wurden alle Nummern 7-stellig. Das wurde bei Einzelanschlüssen je nach Laune durch Einflicken einer Ziffer an zweiter oder dritter Stelle oder komplette Neuzuteilung, bei Teilanschlüssen durch komplette Neuzuteilung der Nummer gelöst. Beispiel: Einzelanschluß 31 45 96 wurde meistens zu 319 45 96 (oder auch andere Ziffern an dritter Stelle). Der oben erwähnte 42/43er-Bereich bekam ausnahmslos an zweiter Stelle eine 0 und wurde zu 402 und 403.
Teilweise wurden aber auch ganze Bereiche aufgelassen.
Ok, jetzt fang ich ganz bei Adam und Eva an...
Mit 1 beginnende Nummern gibt es nicht. Die sind für Notrufe reserviert.
2x lasse ich weg, die sind regional so weit weg, daß ich da keinen Überblick habe (22. Bezirk). 22 und 23 waren aber 2001(!) die letzten Bereiche in denen umgestellt wurde.
30: dem Bereich 2x zugeschlagen
31: teilweise erhalten, teilweise 36 und 47 zugeschlagen (19. bzw. 18. Bezirk)
32: erhalten
33: detto
34: völlig aufgelassen, den Bereichen 47 und 36 zugeschlagen
35: 33 zugeschlagen
36: erhalten
37: detto
38: siehe 30
39: detto
40: erst nach der Umstellung in Verwendung
41: vermutlich ebenfalls
42: zu 402
43: zu 403
44: unbekannt, existiert jedenfalls heute, möglicherweise einfach erhalten
45: zu 485
46: zu 486
47: erhalten
48: zu 408, in einer anderen Gegend aber wieder in Verwendung
49: nicht verwendet, erst seit Umstellung
50: detto
51: unbekannt
52: vermutlich s. 50
53: erhalten
54: s. 52
55: zu 505 und 545, evtl. auch 595
56: zu 506 evtl. 546 und 596
57: zu 597
58: unbekannt
59: verm. ungenutzt
6x bis 8x habe ich wiederum keine Erkenntnisse, zu weit weg. 82 wurde zumindest teilweise zu 87.
90: nicht in Verwendung
91: detto
92: zu 49
93: zu 526, hier wurden gleich die ersten beiden Stellen durch 3 andere ersetzt
94: zu 91 oder 98
95: zu 49, siehe 93
96: unbekannt
97: erhalten
98: erst seit Umstellung
99: ungenutzt
9x außer 91 und 98 waren jahrelang nicht in Verwendung, erst mit dem Auftauchen privater Betreiber bekamen die bevorzugt diesen Bereich zugeteilt (Forderung des Telekommunikationsgesetzes).
Während der Umstellung stand im Telefonbuch oft jahrelang eine zweite Nummer in Klammer bis dann irgendwann plötzlich umgestellt wurde. Vorhersehbar war das nie, ich glaube wir haben 3 Jahre gewartet bis wir 92 als eine der ersten Gegenden dran waren... 2 Straßen weiter haben sie erst Jahre später umgestellt. Unter der alten Nummer war dann eine Tonbandansage (IIRC mit der neuen Nummer) für 6 Monate zu hören, dann der berühmte Dreiklang... (oder manchmal um Leute zu necken auch das Besetztzeichen... ich kann mich noch SEHR gut erinnern, wie ich ewig lang versucht hab jemand dringend zu erreichen und nur eine alte Nummer hatte... natürlich auch eine Geheimnummer... allerdings hätte die Telekom mit der Angabe der alten Nummer die neue herausgerückt... aber der Anschluß war abgemeldet... Jahre später hab ich dann herausgefunden, daß die Nummer einen Schreibfehler enthielt (von einem Telefonbuch ins andere händisch abgeschrieben und dabei aus 95 leider 92 gemacht...)
Vierteltelefone waren ein Kapitel für sich... alte Apparate hatten ein Schauzeichen, Amtsholung erfolgte per Erdtaste. Angeschlossen war das Telefon mit einer 10-adrigen Leitung an einem soliden (20x20x10cm) Relaiskasten, dem sogenannten Beikasten. Der war immer verplombt, denn mit darin befindlichen Steckbrücken wurde bestimmt, welcher der 4 Teilnehmer man war... hätte man die umgesteckt hätte man auf Nachbars Kosten telefonieren können... zumindest solange der nicht den Hörer abgehoben hätte.
Zusatzgeräte waren verboten, lediglich einen Anrufbeantworter konnte man verwenden. Für den montierte das Fernmeldebauamt einen Beikasten mit Telefonsteckdose (wir waren Ende der 80er SEHR stolz drauf...).
Ursprünglich war sogar die Gesprächszeit mit monatlich 15 Stunden reglementiert, das stand vorne im Telefonbuch. Irgendwann flog die Bestimmung dann raus... ich glaub im "Amtlichen Telefonbuch 1993/94" stand es noch drin.
Das Wiener Telefonbuch hatte damals 4 Bände, A-H, I-Q, R-Z und Branchenverzeichnis. Dann wurde das Papier immer dünner und die Schrift kleiner und heute sind das 2 Bände.
In manchen Gegenden herrschte brutaler Leitungsmangel. Meine Eltern wickeln beruflich sämtliche Terminvereinbarungen über Telefon ab und die Nachbarin telefonierte stundenlang... also Einzelanschluß beantragt... (so um 1985)... vertröstet... wieder beantragt... vertröstet... urgiert... "Auf der Leitung hängen eh scho 5 Teilnehmer, da kann i Ihnan net a no dazuahängen!"... "Warten's auf die Umstellung!"
Umstellung war damals ein Zauberwort...
Sie kam dann Ende 1992, über 7 Jahre nach dem Antrag.
Den Grund für den Leitungsmangel habe ich erst wesentlich später erkannt: gegenüber standen ursprünglich Villen für 1, maximal 2 Familien. Ab den 60ern wurden die durch Mehrfamilienhäuser ersetzt, Mitte der 80er dann gekrönt durch zwei Blöcke mit 2 50 luxuriösen Wohneinheiten. Daß da eine leichte Leitungsknappheit am kaum erweiterten Telefonnetz auftrat ist naheliegend.
Anläßlich der Umstellung wurde den meisten Kunden erfolgreich eingeredet Impulswahl sei nicht mehr möglich und sie müßten ihr Wahlscheibentelefon daher leider abgeben (war damals noch absolut Standard, wer Anfang der 90er ein Tastentelefon hatte war ein Snob oder hatte Gründe dafür, da mußte man monatlich den heutigen Gegenwert von ca. 2 Euro aufzahlen und hatte fast nix davon, außer schneller tippen (aber trotzdem Impulswahl) und Wahlwiederholung. Ok, ein internes Schloß hatten die Komfortapparate auch...) und wer nett fragte kriegte die alten Apparate vom Bautrupp geschenkt. Aus der Zeit datiert der Beginn meiner Telefonsammlung. Wandapparate gab es damals leider noch nicht, die wurden noch wieder verbaut.
Das war auch die große Zeit der Heimtelefonanlagen... kleine Nebenstellenanlagen für 5 Anschlüsse und 1 Amtsleitung, minimale Funktionen. gebaut bis 1989, seltsamerweise Anfang bis Mitter der 90er fröhlich in riesigen Mengen verbaut. Gibts heute noch... wenn eine kaputt wird kommt der Techniker mit einer die er anderswo abmontiert hat und tauscht aus... manchmal war das Tauschobjekt leider auch hinüber und nur nicht gekennzeichnet... so hab ich jetzt eine Anlage die keine Mehrfrequenzwahl verdaut und eine die nach einigen Minuten jedes Gespräch unterbricht...
Die Umstellung war ein Riesenaufwand. Alle Straßen wurden aufgegraben, die grauen Zelte mit rot-weißen Reflexmarkierungen und dem Posthorn gehörten fix zum Straßenbild. In unserem Haus wurde vom Keller bis zum Dachboden aufgeklopft und die gesamten Telefonleitungen erneuert... WARUM ist mir bis heute völlig rätselhaft, denn erstens wurde das nicht überall gemacht, und zweitens wurde wieder haargenau die gleiche 3-adrige Telefonleitung eingezogen... aber Hauptsache unser Stiegenhaus in Schutt und Asche legen. Kaum war wieder ausgemalt war der Telekabel-Bautrupp da...
So, ich hoffe ich hab mit diesem etwas sprunghaften Monsterpost nicht alle verschreckt, aber Telefone faszinieren mich seit meiner Kindheit!
Kann mich noch ganz genau erinnern wie ich als Kind gelernt hab mit einem Wählscheiben-Vierteltelefon zu telefonieren... das erste Gespräch war ein Kampf mit der Wählscheibe bis ich endlich die Nummer hatte!
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"Und dann kommen's zu ana Tür da steht oben "Eintritt verboten!" und da miaßn's eine!"