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Grundlagen : Grundlagen und Fragen für Einsteiger in der Elektronik
Moderiert von : admin, perl, psiefke
 6 Mai 2010 22:19       Ersatzteilshop
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Autor
Kondensator direkt mit 230V Wechselspannung betreiben. Geht das?

    

dasgeheimnis

Neu hier

Mitglied seit: 17 Sep 2009 21:26
Beiträge: 3
Wohnort: Stuttgart
ID = 634668

Nach

Hallo,

mein Physiklehrer hat mal gesagt, dass man einen Kondensator direkt in die Steckdose stecken könnte. Er würde keine Leistung verbrauchen, sondern alles wieder zurück ins Stromnetz liefern.

Ich habe mich gefragt, ob man das wirklich machen kann.

Beim Einschalten wirkt der Kondensator doch für Wechselspannung wie ein Kurzschluss, d. h. es fließt doch ein hoher Strom, oder?

- Kann man so etwas wirklich machen?
- Von was wird der Strom denn begrenzt, denn unendlich kann der Strom ja nicht sein?
- Mit welchem Kondensator kann man denn so etwas überhaupt machen? ELKO? Tantal? Kerko?
- Wenn man den Strom begrenzen möchte, wie müsste dann ein Vorwiderstand dimensioniert sein?

Das sind alles nur theoretische Überlegungen, weil ich den Kondensator mit Wechselspannung verstehen will.

Danke.


perl

Ehrenmitglied


Mitglied seit: 16 Aug 2002
Beiträge: 11110,1
Wohnort: Bonn
ID = 634670

Nach


Zitat :
mein Physiklehrer hat mal gesagt, dass man einen Kondensator direkt in die Steckdose stecken könnte. Er würde keine Leistung verbrauchen, sondern alles wieder zurück ins Stromnetz liefern.

Ich habe mich gefragt, ob man das wirklich machen kann.
Ja, aber probier es bitte nicht aus, denn das kann auch schiefgehen und zu einem Unfall führen, weil nicht jeder Kondesator für diese hohe Spannung und/oder Wechselspannung geeignet ist.

dasgeheimnis

Neu hier

Mitglied seit: 17 Sep 2009 21:26
Beiträge: 3
Wohnort: Stuttgart
ID = 634672

Nach

Vielen Dank.

mit welchem Kondensator könnte man denn so etwas machen? Könnte man denn einen Elko nehmen, der 400 Volt verträgt?

Und kannst du mir auch die anderen Fragen beantworten? Vor allem das Thema mit dem Kurzschluss und der Strombegrenzung.

Was geschieht denn, wenn man so einen funktionierenden Kondensator genau zu dem Zeitpunkt mit dem Stromnetz verbindet, wenn die Spannung genau 325V hat? Oder ist das egal?

Danke.

perl

Ehrenmitglied


Mitglied seit: 16 Aug 2002
Beiträge: 11110,1
Wohnort: Bonn
ID = 634679

Nach

Elektrolytkondensatoren sind, bis auf seltene Ausnahmen generell nur für Gleichspannung geeignet, kommen also nicht in Frage.
Für Wechselspannung nimmt man meist Kondensatoren, die als Dielektrikum entweder eine Kunststofffolie, z.B. Polyester oder Polypropylen, oder Papier verwenden.
Auch keramische Dielektrika sind geeignet, werden aber wegen der Herstellungsprobleme, man kann sie ja nicht wickeln, meist nur für relativ geringe Kapazitätswerte verwendet.
Die Elektroden bestehen i.d.R. aus Aluminium in Form dünner Folien (FKP) oder es ist als dünner Film auf den Kunststoff aufgedampft (MKP)

Wenn du einen entladenen Kondensator genau im Nulldurchgang der Wechselspannung anschliesst, springt der Stromwert in diesem Moment von Null auf den durch I= C* du/dt gegebenen Wert, was in der Regel nicht besonders spektakulär ist, sondern lediglich einen Punkt auf der dann weiterhin verfolgten Stromkurve darstellt.
Wenn der Kondensator zu einem anderen Zeitpunkt, besonders ungünstig sind die Extremwerte der Spannungskurve, angeschlossen wird, fliessen wegen dann extrem hohen Spannungsänderungsgeschwindigkeit sehr hohe Impulsströme. Bei Kapazitäten von 0,1µF entstehen in diesem Moment schon deutlich sichtbare und hörbare Funken, große Kapazitäten z.B. 10..100µF können beeindruckende Funken und lautes Knallen verursachen.
Der Strom wird in diesem Moment praktisch nur durch den Innenwiderstand des Stromnetzes und dessen Induktivität begrenzt und kann leicht Spitzenwerte von mehreren hundert Ampere erreichen.


[ Diese Nachricht wurde geändert von: perl am 17 Sep 2009 22:39 ]

dasgeheimnis

Neu hier

Mitglied seit: 17 Sep 2009 21:26
Beiträge: 3
Wohnort: Stuttgart
ID = 634681

Nach

Vielen Dank. Super Antwort.

D.h. es ist reine Glücksache, wenn es mir einen größeren Kondensator nicht um die Ohren haut. Von daher: Finger weg.

Wenn ich jetzt einen Widerstand davor schalte, um den Ladestrom zu bremsen, muss man dann bei dem Widerstand etwas beachten?

Danke schon mal.




perl

Ehrenmitglied


Mitglied seit: 16 Aug 2002
Beiträge: 11110,1
Wohnort: Bonn
ID = 634690

Nach


Zitat :
muss man dann bei dem Widerstand etwas beachten?
Ja, einiges.
Aber das ist für theoretische Überlegungen bezüglich des Verhaltens von Kondensatoren am Wechselstrom nicht relevant.

Murray

Redet auch im Schlaf


Mitglied seit: 02 Jun 2005 08:27
Beiträge: 1811
ID = 634727

Nach

Es kommt halt immer auf die Kapazität des Kondensators an wie hoch der Stromfluß ist.
Im Prinzip ist ja das Netzkabel selbst schon ein Kondensator

hajos118

Redet auch im Schlaf


Mitglied seit: 17 Sep 2004 15:36
Beiträge: 1663
Wohnort: Untermaiselstein
ID = 634746

Nach


Zitat :
Murray hat am 18 Sep 2009 11:18 geschrieben :

Im Prinzip ist ja das Netzkabel selbst schon ein Kondensator

Noch besser kannst Du die Ströme sehen, wenn in einem Umspannwerk eine Leitung angeschlossen wird...
Da wirkt die Leitung auch als Kondensator und muss erstmal auf die Nennspannung geladen werden - gibt ganz beeindruckende Funken.

_________________
woher soll ich wissen was ich denke bevor ich lese was ich schreib'?

Ronnie1958

Quasselstrippe


Mitglied seit: 14 Sep 2007 15:58
Beiträge: 388
Wohnort: Taunusstein
ID = 634752

Nach


Offtopic :
mein Physiklehrer hat mal gesagt, dass man einen Kondensator direkt in die Steckdose stecken könnte. Er würde keine Leistung verbrauchen, sondern alles wieder zurück ins Stromnetz liefern.

Das sind doch die Menschen, die behaupten, dass Hummeln nicht fliegen können



Zitat :
Was geschieht denn, wenn man so einen funktionierenden Kondensator genau zu dem Zeitpunkt mit dem Stromnetz verbindet, wenn die Spannung genau 325V hat? Oder ist das egal?

Dann kann das passieren, was mir schon mit einem einfachen Fernsehgerät (Röhre, 80er Jahre) passiert ist: Die Sicherung ist geflogen. Da noch andere Geräte liefen, brachte der Einschaltstrom das Fass zum Überlaufen. Es ist aber korrekt, von den 325 V auszugehen. Das Doppelte sollte er abkönnen.

Wieviel Strom er nach der Formel I= C x (dU/dt) zieht, kannst Du zeichnerisch ermitteln, indem Du Dich am geraden Teil einer Sinuswelle zu schaffen machst. Bild zum Ausdrucken bei Wiki:

Sinuswelle bei Wiki


Ronnie

dl2jas

Moderator


Mitglied seit: 08 Jun 2005 23:51
Beiträge: 5311
Wohnort: Berlin
ID = 634763

Zur Homepage von dl2jas Nach

Manche Kondensatoren sind direkt mit Netzspannung verbunden, z.B. Entstörkondensatoren pF - nF.

Ich nehme an, Du möchtest gern experimentieren. Mit Netzspannung solltest Du es tunlichst nicht machen. Du kannst aber einen Trafo nehmen, z.B. von der Modelleisenbahn. Der Effekt bleibt gleich, nur halt bei wesentlich geringerer Spannung. Bei 12 Volt und 1 µF kommst Du auf einen Blindstrom von wenigen mA, nachrechnen!

DL2JAS

_________________
mir haben lehrer den unterschied zwischen groß und kleinschreibung und die bedeutung der interpunktion zb punkt und komma beigebracht die das lesen eines textes gerade wenn er komplizierter ist und mehrere verschachtelungen enthält wesentlich erleichtert

Bartholomew

Elektronikforum-süchtig


Mitglied seit: 16 Jul 2004 13:03
Beiträge: 3655
ID = 634791

Nach

Größere Blindleistungskompensationskondensatoren werden in Industrieanlagen eingesetzt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Blindleistungskompensation

Hier wird ein Kondensatornetzteil erklärt. Der Nachbau ist nichts für Anfänger!
http://www.elektronik-kompendium.de/public/schaerer/cpowsup.htm

Eine trickreiche Andwendung der Phasenverschiebung durch Induktivitäten und Kapazitäten findet man bei Duo-Leuchtstofflampenleuchten. Dort sind im Betriebnie beide Lampen gleichzeitig dunkel, das Flimmern wird reduziert:
http://www.elektro-wissen.de/Elektr......html

Grundsätzlich gilt: Es gibt keinen idealen Kondensator. Verschiedene Bauarten haben verschiedene Vor- und Nachteile (Impulsfestigkeit, äquivalenter Serienwiderstand, Wechselspannungstauglichkeit, Energiedichte, Kosten etc.). Was ein Kondensator an Wärme freisetzt, entnimmt er dem Netz an Energie.
Siehe dazu auch ESR/ESL:
http://de.wikipedia.org/wiki/Equiva.....tbild


Gruß, Bartho

GeorgS

Elektronikforum-süchtig


Mitglied seit: 07 Sep 2006 12:44
Beiträge: 4867
Wohnort: Landau in der Pfalz
ID = 634793

Nach



Zitat :
Dort sind im Betriebnie beide Lampen gleichzeitig dunkel, das Flimmern wird reduziert:

Hallo Bartho,
is that Your serious? :=)
Gruß
Georg
Edit:
hab gerade erst das "Bertriebnie" wahrgenommen. :=(
Das kommt von der Ganzwortmethode + Schnellstlesegewohnheiten.

_________________
-----------------------------------------------------
Sokrates, der alte Greis, sagte einst in tiefen Sorgen:
Ach, wieviel ist noch verborgen, was man immer noch nicht weiß!

[ Diese Nachricht wurde geändert von: GeorgS am 18 Sep 2009 17:46 ]

[ Diese Nachricht wurde geändert von: GeorgS am 18 Sep 2009 17:49 ]

Bartholomew

Elektronikforum-süchtig


Mitglied seit: 16 Jul 2004 13:03
Beiträge: 3655
ID = 634796

Nach

Autsch
Ja, so könnte man das Flimmern auch reduzieren - vielleicht sollte ich mir das patentieren lassen?

*Leerzeichen einschieb*

Zitat :
Dort sind im Betrieb nie beide Lampen gleichzeitig dunkel, das Flimmern wird reduziert:

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