Minerva und Grundig in Österreich. Ein Stück Geschichte

Im Unterforum Historische Technik - Beschreibung: Geräte, Bauteile, Installationen aus alter Zeit.

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Minerva und Grundig in Österreich. Ein Stück Geschichte
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Electronicfox

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Was war es für ein Erlebnis, wenn man nach langem Suchen, mit schon zittrigen Fingern endlich einen Sender erwischte und mit erstaunlicher Tonqualität über die Kopfhörer Musik und vor allem Nachrichten empfangen konnte! Ganze Familien versammelten sich bei einem "Rundfunkempfänger" zu bestimmten Sendungen um abwechselnd die Kopfhörermuschel benützen zu können. Es war der Anfang einer neuen Informationszeit.
1954 wurde von der Firma MINERVA ein werkseigener Versuchs-Fernsehsender in Betrieb genommen. Mit der gleichzeitigen Entwicklung der ersten Schwarz-Weiß Fernsehgeräte FS45 und FS53 wurden in Österreich sehr schnell Marktanteile von über 30% erreicht.
Diese Geräte wurden noch mit zwei Alu-Chassis gefertigt, hatten einen riesigen Hochspannungskasten und die Bildröhren mussten mit einem Mehrschichtglas gesichert werden. Der Einbau der Bildröhren erfolgte wegen der Implosionsgefahr in eigenen Kabinen! Die Arbeitskräfte waren mit Brustschutz und Gesichtsmaske geschützt.


1968 - 18 Jahre nach dem Tod des Minerva Firmengründers Herrn Wilhelm Wohleber, verkaufte die Witwe Frau Rissel-Wohleber das Unternehmen an die Grundig AG, Fürth. Trotz beengten räumlichen Verhältnissen wurden mehr als 100.000 TV-Geräte in der Fabrik am Seidengrund - in der Zieglergasse - jährlich erzeugt.
Um diese Stückzahlen zu ermöglichen wird eine Straffung der Typenvielfalt nötig, die Abteilung Fertigungssteuerung wird eingerichtet. Die Produktion sowohl von Rundfunkgeräten als auch von Portablegeräten wird eingestellt.





Auszug aus Gerätebeschreibung: Auf Tastendruck kommt eine der sieben vorgewählten Sendestationen präzise auf den Bildschirm, die große Leuchtzahl im Bedienungsfeld zeigt die Einstellungen an. Bild und Lautstärke regeln Sie mit den übersichtlichen Flachbahn-Schiebern - das sind Regeleinheiten, die aus studiotechnischen Einrichtungen abgeleitet wurden. Dem modernsten Bedienungskomfort entspricht das gesamte Konzept. Weitgehend transistorisiert, drei integrierte Schaltkreise und eine Fülle technischer Feinheiten, die insgesamt faszinierendes Farbfernsehen gewährleisten.



1972 Start der Modul-Fernsehgeräte "Super-Color", Umstellung und Modernisierung des Produktionsablaufes
Für die Chassisfertigung werden drehbare Montagerahmen auf Gleitschienen geführt. In der Bausteinfertigung werden die Bauteile in als Drehteller ausgeführten Behältern, sortiert angeboten. Die Arbeitskräfte stecken gemäß vorliegenden Bestückungsmuster nun die Bauteile in die Druckplatte. Für die Tunerfertigung wird vom Vorrichtungsbau eine komplexe Lötmaschine entwickelt, montiert auf einem Rundschalt-Tisch. Sie brachte eine Verringerung der Fertigungsminuten und eine Erhöhung der Lötqualität. Für die Gehäuse, deren Vorderfronten nun schon aus Kunststoff bestanden, konstruierten und bauten wir eine Kantenprägemaschine. Für den Gerätetransport werden Transportwagen mit Führungszapfen angeschafft. Hiezu mussten in mühseliger, staubiger Arbeit mit Steinschneidemaschinen Nuten aus dem Fußboden geschnitten werden. Diese Umbauarbeiten konnte man nur in der betriebsfreien Zeit vornehmen. Also Samstag und Sonntag und viele Urlaubstage wurden benötigt.



Die völlige Auslastung der Kapazität bewog uns ein neues Werk zu errichten. Wo sollte der neue Standort sein? Hier war zu berücksichtigen, dass ein neues Werk von der Belegschaft leicht, das heißt, mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist. Weiters müssen Gleisanschlüsse für den Bahntransport möglich sein, eine gute LKW-Zufahrt und auch eine eventuell weitere Ausweitung war zu berücksichtigen. Die Entscheidung wurde für den Baugrund in Wien Meidling, Breitenfurter Straße 43-45 getroffen. Er erfüllte alle oben genannten Voraussetzungen.





Eine Montagehalle im 2. Stockwerk. Man sah deutlich die an der Decke hängenden Schrägförder, welche vom Erdgeschoss die Bildröhren anliefern. Im Boden sind die Führungsschienen für die Montagewagen eingelassen. Der Transport wird mit Unterflur- Förderkette durchgeführt.

Bei der Ausstattung des neuen Werkes wurde der größte Wert auf humane Arbeitsplätze gelegt. Lärmerzeugende Maschinen hat man aus dem Produktionsraum verbannt. Dreimal stündlich wird die Luft gewechselt, Löt- und Klebstoffdämpfe werden an den Entstehungsstellen abgesaugt. Die Arbeitsplätze sind mit 1200 Lux ausgeleuchtet.


Seit 1975 bildete Grundig Austria Lehrlinge aus. Die Lehrzeit beträgt 3 1/2 Jahre und endet mit der Facharbeiterprüfung.


1979 - 1988 Die Einführung von IC-Schaltungen führte stufenweise zu einer Verringerung der Einzelbauteile, beziehungsweise zu einer Verkleinerung der Printplatten. Es kommen auch die ersten "geklebten" Bauteile, das sind z.B. Kondensatoren, Widerstände, Dioden und dergleichen, die keine Drahtanschlüsse mehr benötigen, sondern mit ihrem Körper direkt auf der Druckplatte mit einem Spezialkleber fixiert und tauchgelötet werden. Wir sind in einem ununterbrochenen Lernprozess, der den vollen Einsatz von allen verlangt.


Einrichtung der Automatenbestückung - Steigerung der Tagesproduktion auf 3.000 Stück.
Ausbau der Tunerfertigung zur Deckung des Eigenbedarfs Stückzahl: 2.000 pro Tag.

Im Sommer beginnt der Umbau im Bereich der Endfertigung. Trotz Umbau tägliche Stückzahl bis zu 3.100 Stück

Die Neunziger

1991 Grundsteinlegung der neuen Ausbaustufe des Produktionsstandortes Wien-Meidling 1993 - 25 Jahre Grundig in Österreich - Produktion von 1,5 Millionen TV-Geräten jährlich 1994 Zertifizierung nach ISO 9001


1996 Eröffnung Hochregallager für Fertiggeräte
(Eurolager) Produktion von 1,6 Millionen TV-Geräten jährlich

2000 Inbetriebnahme der ersten automatischen Fernseh-Verpackungsanlage. Alle 10 Sekunden wurde ein Gerät mit Vlies, Styropor und Karton verpackt






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:andi:

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schöne interessante story.
Warum war das Bildröhrenhandling so gefährlich, nur wenn sie runterfiel, oder waren die auch so derart zerbrechlich?

 

  






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Electronicfox

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Zitat :
:andi: hat am  4 Aug 2004 14:48 geschrieben :

schöne interessante story.
Warum war das Bildröhrenhandling so gefährlich, nur wenn sie runterfiel, oder waren die auch so derart zerbrechlich?


Man musste wegen der Implusionsgefahr darauf achten. Die früheren Bildröhren waren Mechanisch noch nicht so sicher aufgebaut wie die heutigen.

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